Frühe Geschichte

Kurdistan ist Teil der Region des fruchtbaren Halbmonds, die in der Geschichte von vielen Kulturen und Reichen des Altertums besiedelt wurde. Die Hattier und die nachfolgenden Hethiter besiedelten in der Bronzezeit zwischen 2500 v. Chr. und 1200 v. Chr. das nordwestliche Vorderasien und damit die westlichen Gebiete des heutigen Kurdistan.

Ihr Reich endete im Rahmen der einsetzenden Völkerwanderung. Die hethitische Kultur überlebte jedoch bis um 700 v. Chr. in diversen Kleinstaaten in Ostanatolien, zum Beispiel in Malatya, Zincirli, Karkemisch und Tabal.

Nach der Zerstörung des hethitischen Reiches errichteten die Phryger unter ihrem König Midas ein Reich, das im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. Anatolien beherrschte. Seit 850 v. Chr. bestand am Vansee das Reich Urartu. Das armenische Königreich erlangte im ersten Jahrhundert v. Chr. seine größte Ausdehnung unter König Tigran dem Großen.

 

NAch dem zerfall des osmanischen reiches

Das heutige Irakisch-Kurdistan war bis 1918 als Provinz Mosul Teil des Osmanischen Reiches.

Nach der Niederlage des Reiches im Ersten Weltkrieg wurde es von den Siegermächten aufgeteilt. In der Provinz Mosul stellten die Kurden die Bevölkerungsmehrheit. Gemäß dem 14-Punkte-Programm von US-Präsident Woodrow Wilson hätte dies ihnen das Recht auf Selbstbestimmung gewährt. Daher wurde im Vertrag von Sèvres am 10. August 1920 anerkannt, dass das Mosulgebiet Teil eines größeren kurdischen Staates werden sollte.

In Wirklichkeit wurde die ehemalige osmanische Provinz Mosul jedoch koloniales Interessengebiet. Im Sykes-Picot-Abkommenvon 1916 war sie ursprünglich Frankreich zugeschlagen worden, doch setzte sich Großbritannien Anfang November 1918 in Mosul fest. Auf der Konferenz von Sanremo ließen sich die Briten am 25. April 1920 vom Völkerbund das Mandat über Mesopotamien übertragen. Dieses umfasste neben Mosul die ehemaligen osmanischen Provinzen Bagdad und Basra. Das kurdisch besiedelte Gebiet wurde dabei aufgrund seiner Ölvorkommen als besonders wichtig für den neu zu bildenden Staat angesehen. Am 23. August 1921 wurde schließlich das Königreich Irak gegründet, um die Interessen der Briten im Nahen Osten zu vertreten.

Frankreich akzeptierte schon frühzeitig den britischen Einfluss über Irakisch-Kurdistan, da eine französische Gesellschaft Anteile am irakischen Öl erhielt. Die Türkei lehnte sich allerdings nach dem siegreichen Befreiungskrieg gegen die neue politische Ordnung auf, da sie einerseits keinen Staat in den nördlichen kurdischen Siedlungsgebieten dulden wollte und andererseits das Mosulgebiet für sich beanspruchte: Im Vertrag von Lausanne wurde am 24. Juli 1923 der Vertrag von Sèvres zugunsten der Türkei revidiert. Ein unabhängiger kurdischer Staat wurde nun international nicht mehr gefordert, was auch im Interesse von Großbritannien lag. Damit war die Vierteilung der Kurdengebiete auf die Staaten Irak und die Türkei, das französische Völkerbundmandat für Syrien sowie Persien vollzogen. In der Mosul-Frage konnte sich die Türkei jedoch nicht durchsetzen: Am 16. Dezember 1925 entschied der Völkerbund zugunsten von Großbritannien, dass das Mosulgebiet beim Irak verbleiben sollte. Damit galt international von diesem Zeitpunkt an jeder Konflikt zwischen Irakisch-Kurdistan und der Zentralregierung als inner-irakische Angelegenheit.

Von Anfang an bestand eine kurdische Opposition gegen die britisch-irakische Herrschaft. Bereits im Mai/Juni 1919 lehnte sich Mehmûd Berzincî, der als Gouverneur von Sulaimaniyya eingesetzt worden war, gegen die Briten auf, wurde jedoch mit Hilfe der Royal Air Force besiegt. Am 18. November 1922 rief Mehmûd das Königreich Kurdistan in Sulaimaniya aus. Die Briten bombardierten und besetzten die Stadt im Juni/Juli 1923 sowie im Mai 1924 und beendeten Mehmûds Erhebung

 

Während der irakischen Monarchie

Von Anfang an bestand eine kurdische Opposition gegen die britisch-irakische Herrschaft. Bereits im Mai/Juni 1919 lehnte sich Mehmûd Berzincî, der als Gouverneur von Sulaimaniyya eingesetzt worden war, gegen die Briten auf, wurde jedoch mit Hilfe der Royal Air Force besiegt. Am 18. November 1922 rief Mehmûd das Königreich Kurdistan in Sulaimaniya aus. Die Briten bombardierten und besetzten die Stadt im Juni/Juli 1923 sowie im Mai 1924 und beendeten Mehmûds Erhebung. Am 30. Juni 1930 wurde der letzte anglo-irakische Vertrag geschlossen, in dem das Ende des britischen Mandats vorbereitet und das zukünftige Verhältnis beider Länder geregelt wurde. Der Status der Kurden blieb bei diesem Abkommen außen vor. Im September 1930 kam es zu Protesten in Sulaimaniya, die in einer letzten Erhebung von Mehmûd mündeten. Nach der Niederschlagung des Aufstandes im April 1931 wurde er für den Rest seines Lebens unter Hausarrest in Bagdad gestellt.

Die ersten Aufstände der Kurden waren noch keine nationalen Erhebungen, sondern auf einzelne Stämme beschränkt. Ab den 1930ern wurde die Widerstandsbewegung zunehmend breiter aufgestellt. Die Region Barzan unter Ahmed Barzani beteiligte sich ab November 1931 am Kampf gegen die irakische Zentralregierung. Im Juni 1932 floh Ahmed mit seinem jüngeren Bruder Mustafa Barzani in die Türkei, von der sie zwei Jahre später an den Irak ausgeliefert wurden. Mustafa Barzani entkam 1943 aus dem Exil, führte einen neuerlichen Aufstand an und forderte Autonomie für Irakisch-Kurdistan ein. Militärisch konnte er sich mithilfe von Guerillakrieg behaupten. Nach dem Eingreifen der britischen Luftwaffe in den Krieg, floh Barzani im Oktober 1945 mit 3.000 Aufständischen in den Iran. Dort wurde am 22. Januar 1946 mit Unterstützung der Sowjetunion die kurdische Republik Mahabad begründet, an deren Verteidigung sich Barzani beteiligte. Im iranischen Exil gründete Barzani im Januar 1946 die Kurdische Freiheitspartei (kurdischRizgari Kurd), die am 16. August in Demokratische Partei Kurdistans (kurdisch Partiya Demokrata Kurdistanê) umbenannt wurde. Nach dem Untergang der Republik Mahabad kehrte Barzani am 28. April 1947 mit etwa 500 Kämpfern zurück in den Irak, um einen Monat danach, am 27. Mai 1947, den nächsten Aufstand zu starten. Dieser führte am 15. Juni 1947 zur Flucht in die Sowjetunion. Dort verbrachte Barzani die nächsten elf Jahre im Exil.

 

Während der irakischen Republik

1958 endete die irakische Monarchie nach einem Militärputsch unter Abd al-Karim Qasim. Seit 1958 definiert sich der Irak als Staat zweier Nationen – der Araber und Kurden. Die Kurden im Nordirak unter Führung von Mustafa Barzani forderten Autonomie, was am 11. September 1961 zu einem Aufstand gegen die Zentralregierung führte. Zwei Tage danach folgten seitens der irakischen Regierung Bombardements auf das Dorf Barzan – Geburtsort von Mustafa Barzani. Vom 16. September bis zum 10. Oktober 1961 intensivierte die irakische Armee ihre militärische Offensive gegen die kurdische Widerstandsbewegung. In diesem Zeitraum wurde die Kurdische Demokratische Partei (KDP) am 23. September durch die Regierung formal aufgelöst. Mitte November bat Barzani die Vereinten Nationen um Hilfe. Der Iran leistete militärische Hilfe und lieferte Waffen und Munition.

Am 10. Januar 1963 bot die irakische Regierung den Kurden Amnestie an, falls sie die Waffen niederlegen. Nach der Machtübernahme durch die Baath-Partei fanden vom 19. Februar bis zum 1. März 1963 Verhandlungen zwischen den beiden Konfliktparteien statt, die jedoch scheiterten. Im Juni 1963 startete die Zentralregierung erneut eine Offensive gegen die KDP-Rebellen. Bei diesem Angriff starben am 13. Juni 1963 165 Rebellen in Duhok. Die Angriffe hielten fortwährend an. Zur Unterstützung der irakischen Armee, entsandte die syrische Regierung 5.000 Soldaten in den Irak. Derweil warf die Sowjetunion den Irakern einen Völkermord an den Kurden vor.

Der Höhepunkt des Konflikts ereignete sich am 4. August 1963, als die irakischen Truppen Barzan vollständig besetzten. Nach dem vorläufigen Sturz der Baath-Regierung einigten sich im Februar 1964 Präsident Abd as-Salam Arif und Mustafa Barzani darauf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Am 15. Februar wurden die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien in Bagdad aufgenommen. Im April 1965 kam es in der Region um Sulaimaniyya erneut zu militärischen Auseinandersetzung zwischen kurdischen Rebellen und der irakischen Truppen. Während des Konflikts von 1961 bis 1966 wurden etwa 10.000 Menschen getötet und 80.000 verletzt.

Am 30. Juni 1966 kündigte der Irak Amnestie für KDP-Rebellen an. Bis Ende September 1968 kam es zu keinen weiteren militärischen Auseinandersetzungen. Im Oktober 1968 setzte sich der Konflikt jedoch erneut fort.

Am 23. März 1969 bot die irakische Regierung den Kurden das Recht auf Selbstbestimmung an. Von September 1969 bis März 1970 liefen die Verhandlungen über die Selbstbestimmung der Kurden zwischen KDP-Repräsentanten und der Zentralregierung in Bagdad. Am 11. März 1970 unterschrieben beide Parteien einen 15-Punkte-Friedensvertrag.

Der Konflikt endete mit dem Abkommen vom 11. März 1970 („Manifest vom 11. März“) und der Gründung und Anerkennung des Kurdischen Autonomen Gebietes im Irak. In diesem Abkommen wurde auch die Durchführung eines Referendums im erdölreichen Kirkuk akzeptiert. Jedoch waren sich sowohl die Baath-Regierung, als auch Barzani einig, die Vereinbarungen des Manifests nicht sofort, sondern im 4-Jahrestakt zu erfüllen. Im Rahmen einer 1973 gebildeten Nationalen Progressiven Frontsollte zudem Barzanis KDP an der Regierung des irakischen Gesamtstaates beteiligt werden, was jedoch zur Spaltung der KDP führte. Nicht alle Abmachungen wurden seitens der Baath-Regierung zur Zufriedenheit von Mustafa Barzani erfüllt. Ein weiterer Streitpunkt entstand bei der Festlegung der Grenzen des Autonomiegebiets. Bei diesem Streit beteiligte sich Mohammad Pahlavi, Schah des Irans, indirekt mit. Er sicherte den Kurden, unter Absprache mit den Vereinigten Staaten, militärische und finanzielle Hilfe zu, falls diese die Autonomie mit Gewalt gegen die Regierung durchsetzen würden. Dieses Angebot wurde von Barzani wahrgenommen. Im April 1974 fing der Krieg zwischen beiden Seiten wieder an. Im Vergleich zu den vorherigen, militärischen Auseinandersetzungen, setzte die Baath-Führung nun Phosphorbomben gegen die Kurden ein.

Ein kurdischer Legislativrat (Parlament) und ein kurdischer Exekutivrat (Regierung) in Erbil sollten teilautonom dieses Gebiet regieren. De facto war aber der Legislativrat, und damit das gesamte Gebiet, unter der Kontrolle Bagdads. Geplant waren die Gründung einer kurdischen Akademie der Wissenschaften und die Ausweitung von Gesundheitsversorgung und Erziehungswesen in weniger erschlossene Gebiete, die unter den vorherigen Kämpfen gelitten hatten. Kurdisch wurde erstmals zur Amtssprache.

Bis 1975 und während des Irakisch-Iranischen Krieges 1980 bis 1988 stand der Großteil der drei Provinzen faktisch nicht unter der Kontrolle der irakischen Zentralregierung. Sie war nur in den Provinzhauptstädten und großen Orten mit irakischen Garnisonen präsent.

1975 beschlossen der Iran und Irak durch das Abkommen von Algier, sich nicht mehr in die innere Politik des anderen Landes einzumischen. Dieses Abkommen führte dazu, dass die Unterstützung des Irans für die kurdischen Aufstände abrupt endete. Einige Tage später startete der Irak die nächste militärische Offensive gegen die KDP-Rebellen; die nun ohne die Hilfe des Irans kämpften. Sie erlitten eine schwere Niederlage. Noch im selben Jahr zog sich Mustafa Barzani aus der Politik zurück und beendete den Aufstand. Als Teil der Arabisierungspolitik des Baath-Regimes wurden zwischen Mai 1975 und April 1976 etwa 200.000 Kurden in den Süden des Landes deportiert.

1983 begann eine neue Rebellion gegen die irakische Zentralregierung. Das Regime unter Saddam Hussein reagierte im Rahmen der Anfal-Operation mit systematischen Ermordungen und Deportationen von Kurden. 1988 führte die irakische Luftwaffe einen Giftgasangriff auf die Stadt Halabdscha aus.

 

De-Facto-Autonomie seit 1991

Nach der Niederlage des Baath-Regimes Saddam Husseins im Zweiten Golfkrieg erhoben sich die Kurden im Aufstand von 1991(Raperîn). Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Türkei errichteten im Nordirak mit der Operation Northern Watch eine Flugverbotszone für die irakische Luftwaffe. Unter diesem Schutz vor der Bagdader Zentralregierung konnte die kurdische Bevölkerung sich eine gewisse Unabhängigkeit aufbauen. Am 19. Mai 1992 wurde eine Parlamentswahl durchgeführt bei der die Patriotische Union Kurdistans (PUK) 51 Sitze erhielt und die Demokratische Partei Kurdistans (DPK) 49 Sitze. Die DPK kontrollierte in der Folgezeit den Norden der Autonomen Region, die PUK den Süden. Das Verhältnis zwischen den beiden Parteien war angespannt und führte 1994 zu einem kurdischen Bürgerkrieg, in den auch Bagdad sowie der Iran involviert waren. In Folge des Konflikts entstanden zwei kurdischen Verwaltungen – eine in Erbil und eine in Sulaimaniyya.

Im August 1996 beendete das Parlament den Ausnahmezustand in den Kurdenprovinzen, erteilte der Armeeführung aber Vollmachten bezüglich militärischer Einsätze, Verhaftungen und Zensur in allen Provinzen des Landes. Die türkische Armeeführung lehnte im Januar 1997 ein Waffenstillstandsangebot der PKK ab; am 14. Mai 1997 drangen türkische Verbände bis zu 200 km in die Autonome Region Kurdistan im Nordirak ein.

 

Konsolidierung der Autonomie

2003 beteiligte sich die kurdische Regionalregierung am Irakkrieg auf Seiten der von den Amerikanern geführten Koalition der Willigen und konnte so ihren Einfluss vergrößern. Noch vor der Verabschiedung der neuen Verfassung des Iraks wurde die Autonome Region Kurdistan von der Zentralregierung durch ein Sondergesetz anerkannt. In der Verfassung wurde die Gebietskörperschaft der irakischen Regionen geschaffen und mit nahezu vollständiger Souveränität ausgestattet; eine indirekte, verfassungsrechtliche Sicherung der von der Region Kurdistan erworbenen Autonomierechte. Die endgültige Größe der Region Kurdistan sollte später geklärt werden. Am 30. Januar 2005 fanden neben den Wahlen zur irakischen Nationalversammlung auch Wahlen zum neuen kurdischen Parlament statt, letzteres auch mit dem Ziel, den DPK-PUK-Konflikt zu überwinden und die Verwaltungen in Erbil und Sulaimaniyya zu vereinen.

Am 13. Juni 2005 wurde nach monatelangen Verhandlungen über die Art und die Besetzung des Präsidentenamtes das Parlament in Erbil zusammengerufen und Masud Barzani zum Präsidenten der Region gewählt. Ministerpräsident wurde sein Neffe Nêçîrvan Idrîs Barzanî. Am 30. Januar fand das nicht bindende Unabhängigkeitsreferendum statt.

Am 21. Januar 2006 konnten sich die beiden großen Parteien endlich über die Zusammenlegung der beiden Verwaltungen einigen. Am 7. Mai 2006 trat zum ersten Mal das wiedervereinigte Parlament in Erbil zusammen. Masud und Nêçîrvan Barzani wurden in ihren Ämtern bestätigt. Die Ministerposten wurden unter den Parteien aufgeteilt.